Die Compact Disc, mehr als eine "runde Sache"

Eigentlich war die Idee nicht ganz so neu, aber neu waren die Überlegungen zum Einsatzgebiet. Beteiligt waren Erfindungen, die bei 3M und RCA gemacht wurden und im Wesentlichen war es der niederländische Konzern Philips, wo es zunächst darum ging, Videosignale auf einer Scheibe unterzubringen.
Diese Rubrik haben wir "Technik" genannt, um deutlich zu machen, was hier künftig alles an Inhalten untergebracht werden soll. Und natürlich gehört auch der Weg dazu, der zu der Silberscheibe "Compact Disc" bis zu den ersten Mustern und letztlich bis zur fertigen Disc und zur Markteinführung gegangen wurde.
 
 

Doppel- oder einseitige Überlegungen

Die ürsprünglichen Pläne bei Philips als Erfinder der CD hatten ja noch vorgesehen, die Disc mit einem Durchmesser von 115 mm und einer Spielzeit von maximal 60 Minuten pro Seite festzulegen. Das heißt, erste Pläne hatten eine doppelseitige Disc vorgesehen, was allerdings verworfen wurde, weill man die Passergenauigkeit einer doppelseitigen Disc wohl nicht hinbekommen hätte. Hiermit ist das sogenannte "Lead-in" gemeint, also der Bereich, wo der Laserstrahl alle Informationen zur Steuerung der Ausleseprozesse erkennen muss, die für Spursteuerung, Geschwindigkeit und die Ansteuerung der Titel und Takes erforderlich sind. Und bei einer doppelseitigen Disc hätte eben dieser "Einlesebereich" immer genauestens an gleicher Stelle auf beiden Seiten sein müssen. Und anders als bei der Vinylscheibe gab es da keine Toleranzen. Und in der Produktion dieser Disc hätte das eine Herstellung aus zwei Halbseiten bedeutet und somit wäre Passerprobleme aufgetreten.
Anmerkung: Auch der geplante Durchmesser von 115 mm hatte einen Grund. Diese Abmessung entsprach der Diagonale der ja auch von Philips erfundenen Compact Cassette und dieses Format war nach den Plänen der Entwickler auch für die Lagerung und den Transport unterwegs geeignet. Die 60 Minuten Spielzeit entstand aus der Welt der Vinylscheibe, da dort die Longplayer pro Seite 30 Minuten Spielzeit hatten und man der Meinung war, damit könnte man auch größere Musikstücke ohne Unterbrechung auf der CD unterbringen.
Das Thema der zunächst geplanten doppelseitigen und dann schließlich die heute bekannte CD mit einer Abspielseite haben wir auch in dem nachstehenden Video mit angesprochen. Das Original dieses Videos liegt in unserem Videokanal bei Youtube und wir haben es hier nur eingebunden.
 

Eine Seite für die Inhalte und erste Probleme

   
Nachdem die Spezifikationen der CD-Technologie zwischen den Partnern geklärt waren, wurde der Auftrag an das Presswerk der PolyGram in Hannover-Langenhagen erteilt, eine CD-Produktion aufzubauen. Eine der ersten Tätigkeiten war die Suche nach dem passenden Werkstoff und hier wurden die verschiedfensten Kunststoffe auf Eignung geprüft. Die Entscheidung erfolgten dann für Polycarbonat, weil hier alle Eigenschaften passten.  
© CD-Museum
Parallel zum Aufbau der CD-Fertigung in Hannover wuden von den Partnern Philips und Sony und auch von den ersten Lizenznehmern im Laborverfahren auf Basis von Glas Prototypen erstellt, um Versuchsmuster bei der Entwicklung der Hardware zu haben und auch gleichzeitig Erfahrungen mit der Disc zu sammeln. Hier wurde eine Glasplatte mit einer fotoempfindlichen Schicht mit den Strukturen der CD belichtet, ausentwickelt und mit einer Aluminiumschicht galvanisch ausgestattet. Eine weitere Glasscheibe schützte diese Schicht dann.
Für die ersten Versuche reichten die Prototypen aus Glas ja aus, aber erst mit Mustern aus einer industriellen CD-Replikation konnte man feststellen, ob alle Überlegungen auch alltagstauglich waren. Die Idee bei der CD-Fertigung war, die Herstellung technologisch an der Vinyl-Produktion anzulehnen. Diese Grundidee war dann letztlich auch erfolgreich, auch wenn die einzelnern Produktionsschritte angepasst werden mussten.
Im Rahmen der Aufbautätigkeit der ersten CD-Produktion in Hannover hatte man ja noch geplant, den Auslesevorgang von außen nach innen wie bei der Vinyl-Schallplatte vorzunehmen. Als dann die ersten Versuche der CD-Replikation starteten, hatte man ein kleines Problem in der Spritzpressung. Denn das für den Pressvorgang vorher erhitzte und verflüssigte Granualat verhielt sich beim Fließ- und Erkaltungsprozess nicht so, wie man erwartet hatte. Nach außen wurde das Material immer grieseliger und somit auch nicht mehr so hochtransparaent. Das bedeutete, die Lesbarkeit war im Randbereich nicht mehr eindeutig genug. Und somit konnte der Start der CD nicht mehr außen stattfinden und das "Lead-In" wurde nach innen verlegt.
Dieses in der Startphase bestehende Produktionsproblem führte zu der Notwendigkeit, auch die jeweiligen Gesamt-Spielzeiten der zur Veröffentlichung geplanten CD-Alben zu prüfen, ob diese sich dann auch in der CD-Produktion im einwandfrei lesbaren Bereich befanden. So ist dann das rechts abgebildete Album als ein Beispiel nicht in voller Länge in der Erstveröffentlichung auf CD produziert worden. Die Zugabe beim "Köln-Konzert" von Keith Jarrett wäre in dem unsicheren Bereich der CD-Produktion gelandet und wurde daher weggelassen. Erst in einer Neuveröffentlichung des Albums Jahre später war dann die vollständige Version verfügbar. Das dann zu einem Zeitpunkt, als die CD-Replikation problemlos funktionierte und die festgelegte Gesamtkapazität von 74:33 Minuten gemäß dem "Red Book" möglich war.
In den Folgejahren gabe es aber auch immer wieder Produktionen, die längere Spielzeiten als der Standard verfügbar machten. Genau genommen war das eigentlich nicht zulässig gemäß den Standards des "Red-Book". Aber weil es durch Kunstgriffe in der Steuerung der CD technisch möglich war, wurden solche Produktionen trotzdem gemacht und diese Disc funktionieren auch in der Regel problemlos.
Probleme bei einem zweiten Thema führten allerdings oftmals zu Störungen beim abspielen der CDs und das waren die ersten Versionen der diversen Kopierschutz-Programme. Nach den Standards der CD waren solche Programme nicht vorgesehen und somit nicht zulässig. Doch die Musik-Industrie reagierte auf die zunehmenden und zu einem immer größer werdenden Problem nach Einführung der beschreibbaren Disc. Spezielle Audio-CDs mit einem sogenannten Prüf-Bit - die allerdings erheblich teurer waren als die technisch identischen für den Computer eingesetzten Rohlinge - sollten die Lizenzabgaben bei Kopien abdecken. Doch die Prüfroutinen der Audio-CD-Recorder wurden oft ausgehebelt durch kleine Tricks, oder gezielten Umbauten der Rekorder. Und die Kopierschutz-Programme sollte den massenhaften Kopien mit den Computer-Laufwerken von Original-CDs einen Riegel vorschieben.
 
 
Natürlich könnten wir hier an dieser Stelle noch auf weitere Details eingehen. Aber das machen wir alles auf den Spezialseiten zu den jeweiligen CD-Formaten. Hier befinden wir uns ja auf der Startseite zu den technischen Dingen um die Discformate und da es eine Vielzahl Besonderheiten bei den einzelnen Disc gibt, kommentieren und erklären wir diese dann eben an anderer Stelle.
 
   
 
   

Die Partnerschaft zwischen Philips und Sony

Bei all diesen Aktivitäten war klar, Philips brauchte einen internationalen Partner, um dieses System zur Marktreife entwickeln zu können und fand ihn in Sony aus Japan. Vorher hatte man versucht, diese Partnerschaft mit Matsushita (Markenmame National; Panasonic, Technics) einzugehen, aber dort war man nicht interessiert. Ein Fehler, wie sich dann ja herausstellte. Diese Partnerschaft zwischen Philips und Sony war auch der Grund, warum in der Folge viele Produkte auf Basis der CD-Technologie funktionierten. Gut, einige Fehlschläge waren auch dabei, aber nicht alle Ideen sind immer erfolgreich.
Diese Partnerschaft kam in einer frühen Phase der Entwicklung zustande, auch weil man bei Sony erkannte, welche Möglichkeiten in diesem System CD lagen. Beide Partner entwickelten den Standard dann gemeinsam weiter und brachten ihr jeweiliges Wissen an Ingeneurstechnologie mit ein.
 
   
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